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»Fortschritt« (und Gedanken zur Seminarszene)


Verfasst von Ferdinand J. Heindl
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»Fortschritt« (und Gedanken zur Seminarszene)

Es gibt ja nichts, was du nicht werden kannst, verspricht dir unterschwellig eine Vielfalt an Angeboten in der esoterischen Seminarszene. Eine Vielfalt an Seminaren, wie »Erlernen Sie ... Erleben Sie zusammen mit ... Die eigene Wirklichkeit lichtvoll selbst gestalten mit ... ... Du kannst dein Schicksal ... Ausbildung zum ... Neue Methode, in nur drei Tagen zum ... Werden Sie zertifizierter ... Erschaffe deine Realität ... Neue Ausbildung zum ... Seminar zur Entfaltung von ... an einem Wochenende«, usw. werden »an jeder Ecke« in der Esoterik-Szene beworben.

Zeitweise üben solche Angebote unterschwellig Druck aus: Werden Sie beim ... dabei sein? Ein Kalender erreicht sein Ende - was nun? Eine bestimmte Gruppe tritt hervor um ... Der Countdown für ... läuft bereits. Wir haben die Lebensrezepte für das »Nachher«. Beruhigend oder beunruhigend, dass ebenso wie du, keiner über dieses »Nachher« Bescheid weiss. Für die einen amüsant zu lesen, wird in anderen Besorgnis und Angst geschürt.

Das war sozusagen die Vorrede zu diesem Artikel, der sich mit »Fortschritt« beschäftigt. Ein Begriff, der bereits überstrapaziert ist und wie ein »Damoklesschwert« über dem Menschen hängt. Mit diesen Zeilen möchte ich den Leser einladen, gedanklich einer anderen Sichtweise zu folgen. Einer Sichtweise, die versucht, dem »Fortschritt« nicht im Aussen, sondern innen, im seelischen Bereich auf die Spur zu kommen.

Fortschritt bedeutet, einen Schritt in eine Richtung zu tun, die nicht (sofort) sichtbar vor dir liegt! Was soll das denn nun heissen? Nun, im seelischen Bereich ist Fortschritt KEIN fort schreiten, KEIN nach vorn schauen und los gehen, sondern ein Schritt, der dich näher an dich heran, zu deinem (noch) unbekannten Sein führt.

Dazu ein Bild: Stell dir vor, du wärst ein Apfelbaum, jedoch ist dir dies nicht bewusst. Dein Denken und Streben gilt dem (Wunsch-)Bild einer stattlichen Eiche. Diese symbolisiert das geistige Wunschgebäude, in das du Kraft und Lebensfreude wie in ein Fass ohne Boden investierst. Dein eigentliches Sein (das des Apfelbaumes) wird oder kann (aus welchen Gründen auch immer) nicht gesehen werden. Eventuell willst du es gar nicht sehen, weil dir nicht gefällt, was du (von dir) siehst.

Und nun (be-)suchst du Seminare, um dein Wunschbild, bzw. deine Vorstellung von der stattlichen Eiche zu nähren und zu verwirklichen. Auf unser Bild bezogen, könnte ein solches Seminar lauten: »Neue Methode, in nur drei Tagen zur stattlichen Eiche«. Früher oder später wirst du jedoch erkennen, dass kein Seminar die Vorstellung von deinem (Wunsch-)Bild verwirklichen kann.

Fortschritt im seelischen Bereich bedeutet, sich dem eigenen Sein (dem des Apfelbaumes) zuzuwenden. Sich abzuwenden von der Vorstellung der stattlichen Eiche und den Apfelbaum (vielleicht zum ersten Mal) zu betrachten. Die Rinde, die Wurzeln, die verzweigten Äste, das Blätterdach, die köstlichen Früchte, und alles, was das Sein eines Apfelbaums beinhaltet. Bei dieser (Innen-)Schau geht es nicht um (Be-)Wertung oder Vergleich, sondern ausschliesslich um dich und dein Potential, welches du bis jetzt nicht wahrgenommen hast oder aus welchen Gründen auch immer nicht wahrnehmen konntest. Eine Lösung von Bildern, wer du bist oder wie du sein sollst, kann stattfinden. Qualitative Seminare sind vergleichbar mit einem Spiegel. Sie helfen, um bei obigem Bild zu bleiben, die Aufmerksamkeit auf dein Sein (den Apfelbaum) zu richten.

Viele Menschen besuchen ein Seminar und glauben: »Seminar beendet und alles paletti!« »Ich habe nun den Inhalt »xyz« gehört, gelernt und erfahren - also wird sich nun mein Leben sofort in der gewünschten Richtung verändern.« Wer mit dieser Erwartung aus einem Seminar, einem Kurs, einer Therapie geht, ist auf dem sprichwörtlichen Holzweg.

Alles, was sich in eine neue Richtung entwickeln soll, benötigt Zeit - auch Rom wurde nicht an 1 Tag erbaut! Im Außen erleben wir das immer wieder, zum Beispiel beim Wechsel einer Arbeitsstelle. Ich kann noch so gut vorbereitet sein und über die neue Arbeit wissen, es wird einige Zeit dauern, bis ich mich eingearbeitet habe. Umso wichtiger ist es, wenn es sich um Vorgänge handelt, die unser Inneres betreffen.

Um bei unserem Bild von den Bäumen zu bleiben: Auch die Seele braucht Zeit und liebevolle Geduld, um sich von der Vorstellung der Eiche zu verabschieden und dem Sein des Apfelbaumes zustimmen zu können. Dies kann nicht von einem Tag auf den anderen funktionieren - und es mag auch nicht immer ein stetiges Fortschreiten in die Richtung Apfelbaum sein. Mal bleibt man stehen und muss sich ein wenig erholen vom bisher Erreichten. Ein anderes Mal mag es sogar sein, man geht (vermeintlich) wieder einen Schritt zurück, schielt wieder nach dem Sein der Eiche. Doch dies alles sind nur Stationen der Seele auf ihrem Weg.

So überlasse ich nun den Leser seinen Gedanken und Überlegungen bezüglich den eingangs erwähnten Seminartiteln. Solltest du an solchem interessiert sein, die Seminarszene ist voll davon. Und im Seminarpreis ist ebenso die passende Erklärung enthalten, falls es bei dir nicht klappen sollte. Unter anderem wird dir dann erzählt, warum alle anderen (Umstände und Menschen in deinem Leben) und nur nicht du schuld bist an ...

Nachsatz für den Leser: Suche nicht die Wahrheit, sondern die Lüge! Ja, du liest richtig, suche die Lüge! Nicht die Lüge im Aussen sondern die (Lebens-)Lüge in dir. Es geht immer nur um die Lügen in dir. Wer bereit ist für eine solche Suche, kann sich jene Seminare sparen, die NICHT an seiner (Lebens-)Lüge »kratzen«! Höre auf, nach Antworten (die dir gefallen) zu suchen. Was dich weiter bringt, sind die Fragen - die sinnvollen Fragen!

Ein möglicher Gradmesser für ein Seminar könnte sein: »Ist dieses Seminar eine Hilfe auf meinem Weg, die (für mich) sinnvollen Fragen zu finden? Kann es mir die Frage, in die ich mich gerade verrannt habe und in der ich feststecke wegnehmen und mir eine neue und vor allem sinnvolle Frage geben?«

Mit den Zeilen von Herbert Rosendorfer möchte ich schliessen:

»Fortschritt«
Die Welt wandelt sich.
Sie nennen es Fort-Schritt.
Ein sehr entlarvendes Wort ...

Fort-Schritt – der Schritt, der fortführt.
Man möchte meinen, das sei etwas Bedauerliches,
wenn man aus der gewohnten, bewährten,
vielleicht geliebten Umgebung fortschreitet.

Aber nein.
Die Grossnasen finden ihren Fortschritt wünschenswert ...
Wohin schreiten Sie?
Ich habe den Verdacht, sie wissen es nicht.
Mir scheint es, sie schreiten fort von sich selber.

Herbert Rosendorfer, geb. 1934 in Bozen
Aus: Briefe an die chinesische Vergangenheit. 1983, Nymphenburger


Verfasst von Ferdinand J. Heindl
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© Ferdinand J. Heindl, 2008