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Der Schatten - der Pakt


Verfasst von Ferdinand J. Heindl
Astrologische und systemische Lösungsarbeit,
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»Der Schatten – der Pakt«
Ein Exkurs über die Seele und über Verstrickungen in Beziehungen

Als Schatten wird das bezeichnet, was ich an mir nicht sehen möchte, ablehne und somit verberge. Der Bogen spannt sich von: »Ich kenne meinen Schatten nur schemenhaft«, bis zu der blauäugigen Aussage: »Ich weiss überhaupt nicht, dass ich einen Schatten besitze«.

Was passiert wenn sich zwei Menschen kennen lernen? Ein geheimnisvoller Kleister in beider Seelen hat sie zusammengeführt. Keiner der beiden ist das, was er vorgibt. Es kann ohne weiteres sein, dass keiner der beiden seinen Schatten kennt. Möglicherweise wird einer von den beiden erst durch die Andersartigkeit des Anderen mit seinem Schatten konfrontiert. Vielleicht hat auch für den Moment jeder im anderen das gefunden, was er sich insgeheim wünscht.

Im sexuellen Bereich werden solche Bindungen als Hörigkeit bezeichnet. Wer ist Täter, wer ist Opfer? Zumindest einer der beiden betritt Landschaften, die er vorher nicht kannte und eventuell findet er Gefallen daran. Lust und Qual, Täter und Opfer, Anziehung und Abstossung halten sich die Waage, das Kräfteverhältnis ist ausgeglichen, solange die beiden Ihre (Ver-)Bindung aufrecht erhalten. Explizit gibt es keinen, der nur Täter oder nur Opfer ist. Jeder der Paktierenden ist beides.

Drehen wir die Uhr zurück und inszenieren ein mögliches Kennenlernen der beiden. Nehmen wir an, die beiden sind sich bei einer Autobushaltestelle, oder wo auch immer begegnet: Ihre Blicke trafen sich und beide fühlten, dass es eine schicksalhafte Begegnung ist. Ein Pakt wird geschlossen. In diesem Moment achtete keiner der beiden auf Äusserlichkeiten des Anderen. Aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis hörten sie später Andeutungen, dass er oder sie doch gar nicht der Typ des anderen sei.

Ein Pakt ist etwas anderes als ein Vertrag, aus dem ich wieder aussteigen kann. Erinnern wir uns an einen berühmten Pakt aus der Weltliteratur. An den Pakt, den Goethes Dr. Faust mit Mephisto einging, der nebenbei bemerkt, mit Blut unterschrieben wurde. Hier ging es nicht um materielle Dinge als Einsatz, sondern um etwas Kostbares, um die Seele von Dr. Faust.

Eine weitere Facette eines solchen Paktes ist, dass er nicht mit dem Tod endet. Er kann nicht einfach gekündigt werden und er beinhaltet auch keine Klausel zum Rücktritt. Es geht um Bindung und Verbindlichkeit. Hier ist eine Kraft am Werke, die sich der Kontrolle des Einzelnen entzieht und meist unbemerkt am Wirken ist. Die Paktierenden haben voneinander Besitz ergriffen und werden nun mit den eigenen (verborgenen) Schattenanteilen konfrontiert.

Alle gedanklichen Ansätze, denn von Antworten kann hier nicht die Rede sein, sind nur Theorie. Warum? Nun, eine mögliche Antwort kann meist nur für den Moment der Betrachtung gefunden werden.

Warum wird ein Pakt in der Seele eingegangen? Damit du dich mit den (Schatten-)Seiten deiner Seele auseinandersetzt, die du nicht (mehr) sehen willst und die du ablehnst. Es ist ein Pakt mit der Andersartigkeit des Anderen und umgekehrt mit deinem eigenen Schatten. Erst wenn du dich mit deinem Schatten auseinandergesetzt hast und beginnst, diesen wieder zu dir heim zu holen, (meist ein schmerzvoller und langer Prozess) kann der Pakt in einen Lösungsprozess übergehen.


© Ferdinand J. Heindl, 2008