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Weihnachtsgeschichte der anderen Art


Verfasst von Ferdinand J. Heindl
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»Panik und Abhängigkeit«
Ich hoffe, die Enttäuschung des geschätzten Lesers hält sich in Grenzen, wenn er, wie es so schön heisst, in der stillsten Zeit (ist sie das wirklich?) des Jahres, hier keine der üblichen Weihnachtsgeschichten vorfindet. Wie gesagt, keine der »üblichen«.

Panik – ein Zustand, dem wahrscheinlich jeder Mensch in den verschiedensten Abstufungen ausgesetzt war. Panik, so die Wissenschaft, aktiviert eines unserer archaischen Notfallprogramme, welches im Falle einer solchen, ohne bewusste Kontrolle abläuft: Flucht, Kampf oder Starre. Bevor der geschätzte Leser mir an dieser Stelle »abhanden« kommt, weil ich kurz vor dem Weihnachtsfest über Panik und Abhängigkeit schreibe, möchte ich darauf hinweisen, dass uns diese Geschichte am Ende doch zu Ruhe und Stille führt, welche die Begleiter des Weihnachtsfestes sind.

Betrachten wir folgendes Szenario: An einem hektischen (heutzutage hat das Jahr davon 365) Tag, irgendwo in Wien in einem Gastgarten, sitzt der Protagonist unserer Geschichte. Nun folgt ein Geschehen, dem jeder von uns schon mal »schonungslos ausgeliefert« war, oder eventuell ein solches schon mal (wenn auch unbewusst), verursacht hat. Ein lauter (ist der gute Mann taub?) und nicht zu ignorierender Klingelton zerschneidet mit dem Charme einer Kreissäge das gemütliche Ambiente des Gastgartens. Die missbilligenden Blicke der anderen Gäste werden von unserem Protagonisten ignoriert. Endlich greift er zum Handy und drückt mit gequälten Gesichtszügen aufseufzend eine Taste, ohne das Gespräch anzunehmen.

Abgesehen vom Klingelton (Geschmäcker sind nun mal verschieden), ergibt sich folgende Frage: Wenn er nicht gestört werden will, warum schaltet er sein Handy nicht ab? Der geschätzte Leser, falls er selbst Handybesitzer ist, hat ausreichend Antworten zu dieser Frage in seinem persönlichen Fundus.

Als unser Protagonist das Lokal verlässt, folgen wir ihm sozusagen als unsichtbarer Beobachter. Stunden später, es ist bereits Abend, betritt er ein Lokal in der Innenstadt. Kaum hat sich der Kellner entfernt, startet eine hektische Suchaktion. Nach was wohl? Wir ahnen es bereits und sind beim ersten Thema dieses Artikels angelangt: Panik! Panik, weil das Handy nicht auffindbar ist. Verzweifelt werden die Taschen nochmals durchsucht, in der Hoffnung, es möge doch bitte wieder da sein.

Alle möglichen Menschen fallen ihm ein, die jetzt versuchen, ihn zu erreichen und umgekehrt all jene, die er jetzt erreichen müsste, um ihnen mitzuteilen: Bin grad im Kaffeehaus und telefoniere mit dir (!). Jeder ist solchen Wortspenden (meist unfreiwillig) an vielen Orten ausgesetzt. Wie z.B. in der Strassenbahn: du ich bin eh gleich zuhause, usw. Wird in deinem Umfeld mal nicht telefoniert, keine Sorge, Abhilfe gegen die wohltuende Ruhe ist bereits in Form eines MP3-Players, bzw. seines Besitzers unterwegs.

Panik, weil all die gespeicherten Lieder, die SMS von …, das Kontaktverzeichnis, die Fotos, …, nun für immer fort sind. Panik, weil jetzt, wo mein Handy weg ist, bin ich nur mehr ein halber Mensch. Panik, weil ich nun von meiner Umwelt »abgeschnitten« bin.

Widmen wir uns nun dem zweiten Begriff unserer Geschichte: Abhängigkeit! Wir glauben, heute alles im Griff zu haben, unser Leben und das der anderen, in das wir uns gerne, meist ohne einen Auftrag vom Betroffenen erhalten zu haben, einmischen. Ebenso ist das Gefühl, unser Leben jederzeit bestimmen zu können, ein eher trügerisches. Ein kleines technisches Spielzeug, bzw. dessen Verlust, reicht aus, um uns Panik und Abhängigkeit zu vermitteln.

»Den Vogel abgeschossen« bezüglich Abhängigkeit, hat jene dem Autor unbekannte Person, die letztens im Kaffeehaus in der Toilettenkabine telefonierte (bis auf einige Nebengeräusche war im angrenzenden Waschraum alles gut verständlich), die Toilette (immer noch) telefonierend, ohne sich die Hände zu waschen verliess und ohne Rücksichtnahme auf seine Mitmenschen das Gespräch auf dem Wege zu seinem Tisch und von dort aus, lautstark weiterführte.

Ist das Beispiel mit dem Verlust des Handys zu stark überzeichnet? Nun, die Beantwortung dieser Frage überlasse ich dem geschätzten Leser. Er wird die Antwort finden, wenn er sich in die Rolle des Protagonisten meiner Geschichte begibt, bzw. Folgendes tut: Schalten Sie Ihr Handy aus. Überlegen Sie vorher, was Sie nun gegen die aufsteigende Panik unternehmen können. Haben Sie diese mehr oder minder unter Kontrolle, versuchen Sie das Gefühl zu geniessen, für niemand erreichbar zu sein. Wenn Sie Ihr Handy ausschalten, holen Sie sich ein Stück Lebensqualität zurück. Eines der kostbaren Dinge, die nicht mit Geld zu kaufen sind: Zeit.

Zeit ist es ebenso, über einen Satz nachzudenken, den ich vor Jahren von einem lieben Freund hörte: Er betreibe Handy-Hygiene. Da nur die Fragen und nicht die Antworten, uns »weiterbringen«, überlasse ich die Beantwortung, was damit gemeint sei, dem geschätzten Leser.

Wie kommen wir jetzt zu dem eingangs erwähnten Weihnachtsgedanken? Ganz einfach. Der erste Teil dieser Geschichte hat uns an einem Beispiel (von vielen) gezeigt, wie es uns ergehen kann, wenn wir unser Herz an Dinge hängen, die uns nur scheinbar frei machen.

Im zweiten, nun folgenden Teil möchte ich die Aufmerksamkeit des geschätzten Lesers auf das Ereignis richten, das uns (in der Seele) frei macht: der Mythos des Weihnachtsfestes. Eine mehr als zweitausend Jahre alte, jedoch immer noch ihre seelische Kraft verströmende Geschichte, welche bei all jenen wirkt, die, unbedarften Kindern gleich, ihre Seele weit machen für diesen Mythos.

Mythen sind keine Geschichten für den Kopf. Mythen sind Bilder für die Seele. Wer versucht, aus einem Mythos eine erklärbare Geschichte zu »stricken«, nimmt! Er nimmt der Seele ein heilendes Bild, einen Impuls. Wofür? Die Seele möchte sich erinnern. Der Mythos ist ein solcher Impuls, der der Seele behilflich ist, sich zu erinnern. Woran? An all die Bruchstücke in der Seele. Bruchstücke deshalb, weil sie im Laufe des Lebens aus der Seele herausgerisssen, herausgebrochen und tief in der Seele in einem Raum des Vergessens als etwas Unerwünschtes abgelegt wurden.

Damit sich deine Seele wieder an das erinnern kann, was nicht mehr Teil deines Lebens ist oder sein darf, schenke deiner Seele Zeit und lausche dem Mythos des Weihnachtsfestes. Bevor sich nun das Jahr zu Ende neigt, wünschen wir Ihnen ein ruhiges Weihnachtsfest, Zufriedenheit, Gesundheit und ein gutes Jahr 2010.


Susanne und Ferdinand Heindl

© Ferdinand J. Heindl, 2008