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Die Kraft des Mythos


Verfasst von Susanne und Ferdinand Heindl
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Das Jahr neigt sich dem Ende zu und wir möchten euch gerne für das Viele und das Gute und die damit verbundene Fülle danken. Und wie bereits in den vergangenen Jahren, wenn die Zeit reif war, ergab sich wie von selbst zu Ehren des Weihnachts-Mysteriums eine Geschichte wie die folgende, die wir gerne mit euch teilen möchten.

Vor einigen Jahrzehnten hat sich die Welt der osteuropäischen Juden im 18. und 19. Jahrhundert, der Chassidim, erschlossen. Dem Religionsphilosoph Martin Buber haben wir es zu verdanken, dass wir mehr über diese Menschen und ihre Geschichten und Erzählungen, in denen sich ihr Glaube und ihre Weisheit wiederspiegelt, erfahren durften.

Vom Begründer der chassidischen Bewegung, Rabbi Israel ben Elieser (1700-1760) dem Baal Shem Tov, sind uns zahlreiche Erzählungen überliefert, darunter auch die folgende, welche ich erzählen möchte, um unsere christliche Weihnachtsgeschichte aus einem anderen Blickwinkel zu schauen: Wenn der Baal Shem Tov (Meister des guten Namens) etwas Schwieriges zu erledigen hatte, irgend ein geheimes Werk zum Nutzen der Gemeinde und der Geschöpfe, so ging er an eine bestimmte Stelle im Walde, zündete ein besonderes Feuer an und sprach, in mystische Meditationen versunken, Gebete. Und alles geschah, wie er es sich vorgenommen hatte.

Wenn eine Generation später der Maggid von Meseritz dasselbe zu tun hatte, ging er an jene Stelle im Walde und sagte: Das besondere Feuer können wir nicht mehr machen, aber die Gebete können wir sprechen. Und alles ging nach seinem Willen.

Wieder eine Generation später sollte Rabbi Mosche Leib aus Sassow jene Tat vollbringen. Auch er ging in den Wald und sagte: Wir können kein Feuer mehr anzünden, und wir kennen auch die geheimen Meditationen nicht mehr, die das Gebet beleben; aber wir kennen den Ort im Walde, wo all das hingehört, und das muß genügen. Und es genügte.

Als aber wieder eine Generation später Rabbi Israel von Rischin jene Tat zu vollbringen hatte, sprach er: Wir können kein Feuer machen, wir können keine Gebete sprechen, wir kennen auch den Ort nicht mehr, aber wir können die Geschichte davon erzählen. Und seine Erzählung allein hatte dieselbe Wirkung wie die Taten der drei andern.

Wissen geht verloren von Generation zu Generation. Weder kennen wir den Ort noch sind uns die Worte bekannt. Ebenfalls verloren ging, wie der Baal Shem Tov sein Feuer anzuzünden pflegte. Und doch gibt es da etwas: wir kennen die Geschichte. Und es ist überliefert, dass Gott diese Geschichte so liebt, dass es genügt, wenn sie erzählt wird, und er jedem, der ihr (mit der Seele) lauscht, seinen Wunsch erfülle und sein Bedürfnis stille. Und so sei es ...

Ähnlich ist es mit unserem Weihnachtsfest. Niemand kennt mehr den genauen Ort, an dem sich das Wunder der Geburt ereignete. Wir wissen auch nichts mehr über die näheren Ereignisse in diesem Moment und welche Worte gesprochen wurden. Aber wir können die Geschichte erzählen. Und vielleicht liebt Gott diese Geschichte ebenso, dass es genügt, wenn sie erzählt wird, und er jedem der ihr (mit der Seele) lauscht, seinen Wunsch erfülle und sein Bedürfnis stille. Und so sei es ...

Friede auf euren Wegen und einen guten Jahreswechsel
Susanne und Ferdinand Heindl


© Ferdinand J. Heindl, 2008