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Wer helfen will, kann nicht mehr helfen!


Verfasst von Ferdinand J. Heindl
Astrologische und systemische Lösungsarbeit,
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Wer helfen will, kann nicht mehr helfen!
Ein Ausspruch von Bert Hellinger, der meist als provokant empfunden wird. Ist er das wirklich? Nun, eines gleich vorweg: Helfen ist nicht gleich Helfen. Das Helfen, welches aus einem »Helfersyndrom« heraus vollzogen wird, und sei es noch so gut gemeint, ist kein Helfen. Es dient nur zur Ablenkung von den eigenen Problemen und Themen.

Helfen ist nur möglich, wenn es ein Helfen im Einklang ist. Der erste Einklang ist jener mit sich selbst. Dieser setzt voraus, dass der Helfer mit seiner Seele, seinen Wurzeln, seiner Herkunft im Reinen ist. Was heisst das im Einzelnen? Dass ich jene, die zu meiner Herkunft gehören, ihrem Schicksal, ihrem Leid, in der Art wie sie es lebten, zustimmen kann. Zustimmen kann, wie sie sind und nicht wie ich sie gerne hätte. Anerkenne, dass es ohne meine Herkunftsfamilie mich nicht geben würde. Bin ich im Einklang mit meiner Herkunft, dann haben ALLE, welche zu meiner Herkunft gehören, einen guten Platz in meiner Seele.

Der zweite Einklang bezieht sich auf Menschen, die nicht meiner Herkunft angehören. Jene die ich gerne mag, die ich liebe, mit denen ich verbunden bin und jene die durch ihr Anders-Sein mein eigenes Wachstum (immer wieder) auf´s neue herausfordern. Dazu gehören ebenso meine Feinde und Widersacher, denn auch oder gerade jene bewirken (meist) wichtige Entwicklungsschritte, die ich sonst (aus Bequemlichkeit) nicht getan hätte.

Wer so im Einklang ist, ist es ebenso mit seinem Können, seiner Erfahrung, seinem Wissen und seiner Wahrnehmung, seinen Grenzen und seinem Scheitern. Und vor allem ist er im Einklang mit dem Schicksal des anderen und somit frei von einer Handlungsweise, die ihn antreiben würde, in der Art wie: Ich muss (!) das jetzt zum Wohl des anderen ändern, da muss (!) ich doch was machen können, oder ähnliche Sätze, die im »Helfersyndrom« wurzeln.

Wer hilft, urteilt nicht. Helfen im Einklang versucht zusammen zu führen, was vorher getrennt war. Ein solches Helfen geschieht ohne eigenes Planen und eigenes Wollen. Gleich gültig, was vorgefallen sein mag. Ist dies geschehen, kann sich der Helfer zurückziehen. Er ist frei und ohne Bindung zum Klienten und umgekehrt. Solches Helfen vermeidet, dass der Helfer weder in die Position eines Elternteiles »abrutscht« noch auf andere Weise den Klienten »klein« macht. Im Gegenteil: solches Helfen bringt den Klienten in Einklang mit seiner Seele und all jenen, die dazugehören.

Zur Kunst des Helfens gehört ebenso, die Grenzen von Geben und Nehmen wahrzunehmen und sich diesen zu fügen. Und dass der Helfer in bestimmten Situationen oder wenn es ihn überfordern sollte, das Helfen sein lässt.

Worte von Lao-Tse, obschon vor langer Zeit ausgesprochen, sind sie zeitgemäss und »passen« zum Thema des Helfens und für die Person des Helfers:

     Wer weiss,
     wann er innehalten muss,
     gerät nicht in Gefahr und geht nicht unter.

Für die Fülle an Einsichten in die weite Landschaft der Seele möchte ich meinem lieben Freund Dr. Peter Orban sowie Bert Hellinger danken.


© Ferdinand J. Heindl, 2008